Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: Forderungen zur notwendigen Weiterentwicklung
Die mentale Gesundheit ist das zentrale Kinder- und Jugendgesundheitsthema in Deutschland. Ein Fünftel aller jungen Menschen zeigt Belastungen.
Hier besteht Reformstau. Im Bereich Gesundheit, Familie und Jugend wurden für dieses Thema entscheidende Schritte in der auslaufenden Legislatur nicht gegangen. Jetzt gehört die kinder- und jugendpsychiatrische und -psychotherapeutische Versorgung ins Zentrum. Versorgung und Prävention müssen dringend weiterentwickelt werden. Das betrifft auch den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, wie den ÖGD, aber auch den Bereich Bildung. Es geht hier in Anbetracht von Fachkräftemangel wie finanziellen Ressourcen nicht um ein einfaches „Mehr“ in der Versorgung, sondern um verbesserte Kooperation zwischen den Systemen und Sektoren, damit ein „Besser“ in der Zukunft entsteht.
Konkret fordern die zwei kinder- und jugendpsychiatrischen Verbände BAG KJPP und BKJPP und die wissenschaftliche Fachgesellschaft DGKJP:
1. Reformen in der Versorgung
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- Ambulante psychiatrische Versorgung als Teil der Grundversorgung stärken
- Bettenmessziffer weiterentwickeln – Globalbudgets mithilfe von Bundesrichtlinien ermöglichen
- Defizite in der Grundversorgung beseitigen – systematische Etablierung von E-Health Angeboten – Kinder nicht schlechter stellen als Erwachsene
- Kinderrechte und Kinderschutz bei Digitalisierungsprozessen im Gesundheitswesen mitdenken – Datenschutz und Schweigepflicht angemessen regeln
- Rahmenbedingungen für flexibleren Personaleinsatz anpassen
- Behandlung weiterdenken – Netzwerkarbeit und Kooperation mit anderen Leistungserbringern muss vergütet werden
- Arzneimittelversorgung verbessern – in Anwendung und Verfügbarkeit
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- Lösungen zum Problem des Off- Label-Use arzneimittelrechtlich schaffen
- Prävention, die Gefährdete erreicht
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- Prävention in die Lebenswelten (Kitas/Schulen) der Kinder bringen
- Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken – alle Leistungserbringer einbeziehen
- Suchtgefährdete Kinder und Jugendliche systematisch unterstützen
- Monitoring zur Kindergesundheit wieder aufnehmen
- Inklusive Kinder- und Jugendhilfe als Eingliederungshilfeträger für alle jungen Menschen
- Psychische Störungen als Schwerpunktthema in Forschung und Ausbildung
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- Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) und Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ) dauerhaft institutionalisieren
- KJPP in den BMBF-Förderlinien ausreichend berücksichtigen
- Die KJPP als Pflichtfach in die Approbationsordnung aufnehmen
- Kinderrechte ins Grundgesetz mit aufnehmen
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- Alle Gesetzes- und Forschungsvorhaben systematisch auf ihre Auswirkungen auf Kinder überprüfen