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Code of Conduct für Vorstandsmitglieder der DGKJP

Abschließende Empfehlungen

Es ist nicht möglich, die Vielzahl der denkbaren Kontakte von Vorstandsmitgliedern mit der pharmazeutischen Industrie abschließend zu definieren und regulieren. Der hier aufgeführte Beispielkatalog soll mögliche Problembereiche exemplarisch darstellen. Dabei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es auch außerhalb der Kooperation mit der Pharmaindustrie potentielle Conflicts of Interest gibt bzw. geben könnte (z. B. Autorenhonorare bei Büchern, psychologischen Tests oder insbesondere Manualen und Verfahren). Alle Formen der Zusammenarbeit sollten transparent von den Vorstandsmitgliedern kollegial offen gelegt werden. Zu Beginn jeder Vorstandssitzung wird, ab Verabschiedung dieses Code of Conducts wie in anderen z. B. staatlichen Gremien  (z. B. der Expertenkommission Kinderarzneimittel beim BfArM) zunächst der Punkt Interessenskonflikte aufgerufen. Dabei wird nach neu hinzugekommenen potentiellen Interessenskonflikten gefragt und es wird dezidiert geprüft, ob in Bezug auf die jeweilige Tagesordnung mögliche Interessenskonflikte bestehen. Da es sich bei manchen der genannten Dimensionen nicht um kategorial grundsätzlich abzulehnende oder zu billigende Verhaltensweisen handelt, sollte in solchen Zweifelsfällen stets im Vorstand diskutiert werden, ob die jeweilige Aktivität dazu führen könnte, dass die Unabhängigkeit der Fachgesellschaft im Ansehen der Öffentlichkeit und der Patienten in Frage gestellt werden könnte.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass, während in den USA jedes Jahr erhebliche Summen in staatlich geförderte Forschung, auch zum Einsatz von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen, investiert werden (Lo 2010), in Deutschland eine solche staatliche Forschungsförderung bis auf den BMBF/DFG-Schwerpunkt "Klinische Studien" (der weder kinderspezifisch noch gar kinder- und jugendpsychiatriespezifisch ist), weitgehend fehlt. Außerdem ist auch bei öffentlichen Geldgebern stets kritisch auf eine Einflussnahme auf den Forschungsprozess oder die Vermittlung von Forschungsergebnissen zu achten.

Generell ist eine kritische Selbstreflexion im Sinne von Habermas (1968) "Erkenntnis und Interesse" für jeden Forscher in leitender Funktion und gerade auch für die Vertreter unserer Fachgesellschaften unabdingbar. Das Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten, das Vertrauen der Eltern der Kinder und Jugendlichen, die wir behandeln, beruhen auf unserer unabhängigen kinder- und jugendpsychiatrischen und -psychotherapeutischen Expertise.

Verabschiedet vom Vorstand der DGKJP am 18.03.2010 in Berlin