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Code of Conduct für Vorstandsmitglieder der DGKJP

Präambel

Eine ad-hoc-Kommission, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Ethikkommission und Mitgliedern der Kommission Entwicklungspsychopharmakologie der drei kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaften, hatte unter dem Vorsitz von Frau Prof. Lehmkuhl 2006 eine allgemeine Empfehlung für Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeuten zum Umgang mit der pharmazeutischen Industrie formuliert (Lehmkuhl et al. 2006). Darin wird sowohl auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie in der Forschung und Entwicklung von Psychopharmaka zum Wohle von Kindern und Jugendlichen als auch auf das Gebot der Transparenz hingewiesen. Empfohlen werden dort auch Erklärungen zu potentiellen conflicts of interest, z. B. als zweite Folie bei Vorträgen oder auch als Fußnote bei wissenschaftlichen Publikationen.

Aufgrund einer deutlichen Zunahme im Pharmamarketing und Sponsoring, insbesondere in den USA (vgl. Spielmans 2009, Schetky 2008), und nach den Kontroversen um einige herausragende US-amerikanische Kinder- und Jugendpsychiater wegen nicht deklarierter Einnahmen aus der pharmazeutischen Industrie hat die amerikanische Fachgesellschaft reagiert und Orientierungshilfen auf drei Ebenen entwickelt. Zunächst wurde der alte Kodex ethischer Verhaltensweisen überarbeitet und am 30. Januar 2009 verabschiedet (AACAP Code of Ethics 2009). Dieser Code of Ethics wendet sich an alle Mitglieder der AACAP (American Academy of Child and Adolescent Psychiatry) und diskutiert nicht nur mögliche Interessenkonflikte aus einer Zusammenarbeit mit der Industrie, sondern umreißt auch die generellen ethische Grundprinzipien der Arbeit als Kinder- und Jugendpsychiater und -psychotherapeut. In Bezug auf den Umgang mit Probanden in Forschungsprojekten wurden Leitlinien verabschiedet, welche weitgehend den Good Clinical Practice (GCP)-Guidelines und den europäischen Regelwerken entsprechen (Kölch et al. 2007) Darüber hinaus gibt es besondere Erwartungen an die Amtsträger im Vorstand der AACAP für deren Amtszeit.

Grundsätzlich gelten zweifelsfrei die rechtlichen Vorgaben bei der Zusammenarbeit mit der Industrie, wie z. B. das Trennungsprinzip, das Transparenzprinzip, das Äquivalenzprinzip sowie das Dokumentationsprinzip (Frehse & Kalb, 2009). Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP) hat darüber hinaus eine Liste von einzelnen möglichen Formen des Kontakts bzw. der Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie erstellt, erläutert und kommentiert. Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben stellt dieser Code of Conduct eine, im Vorstand der DGKJP konsentierte freiwillige Selbstverpflichtung der Vorstandsmitglieder dar und soll damit eine Transparenz gegenüber den Mitgliedern der Fachgesellschaft schaffen.