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Positionspapier zur einheitliche Dienstkleidung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, –psychosomatik und –psychotherapie

Die Weiterentwicklung der Arbeit im Fach Kinder- und Jugendpsychiatrie, –psychosomatik und –psychotherapie ist national wie international an vielen Veränderungen erkennbar. Eine davon ist die nahezu vollständige Abkehr von medizinischer Einheitskleidung hin zum Tragen von individueller Privatkleidung in Kliniken und Praxen. Diese Praxis ist sowohl im klinisch-psychotherapeutischen Arbeitsalltag als auch zunehmend in der Kinderheilkunde zum Standard geworden.


Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, –psychosomatik und –psychotherapie hält deshalb generelle Anordnungen bezüglich des Tragens von Einheitskleidung im Sinne eines einheitlichen Erscheinungsbildes oder aus vermeintlich hygienischen Gründen z. B. in einem Klinikum aus fachlicher Sicht für falsch und in der Behandlung mancher Kinder und Jugendlicher sogar für kontraindiziert.

Nahezu alle Tätigkeiten in der KJP sind aus Sicht der Experten für (Krankenhaus)Hygiene ohne Beachtung besonderer Regeln oder Schutzmaßnahmen durchführbar. Selbst die ärztlichen Tätigkeiten in der KJP sind hauptsächlich psychiatrisch/psychotherapeutischer Natur oder Medikamentenverordnungen. In den seltenen Fällen mit potentiellem Kontakt zu infektiösem Material (hauptsächlich Blutentnahmen) wird selbstverständlich Schutzkleidung über der Privatkleidung getragen.

Nach aktuellem Kenntnisstand hängt der Verlauf einer psychischen Krankheit besonders im Kindes- und Jugendalter auch davon ab, wie gut der Lebensbezug erhalten bleibt und die Symptome in das alltägliche Leben integriert werden. Daher ist es ein wesentliches Ziel, die größtmögliche Alltagsnähe herzustellen. Alle Untersuchungen zu den Wirkfaktoren psychotherapeutischer Prozesse zeigen, dass Echtheit/Authentizität, Toleranz, Akzeptanz und menschliche Nähe/Wärme entscheidende Faktoren sind. Z.B. zeigte sich in einer Untersuchung, dass das Tragen von Privatkleidung zu mehr und persönlicheren Kontakten zwischen Personal und Patienten führt. Analog wurden die Mitarbeiter von den Angehörigen positiver wahrgenommen, wodurch z.B. auch konflikthafte Situationen konstruktiver und einvernehmlicher gelöst werden konnten.

Daneben ist eine Vorbildfunktion durch die Mitarbeiter als Rollenmodell ein wichtiges Element der kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlung. Rollenmodell bedeutet auch Rollenvielfalt. Dies bedingt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alltag unterschiedliche, alltagstaugliche Kleidung tragen müssen. Zu beachten ist dabei stets, dass diese Kleidung den dienstlichen Anforderungen entsprechen muss und situativ angemessen ist.

In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass für die betroffenen Kinder und Jugendlichen medizinische Dienstkleidung auch negative Assoziationen aufgrund von weniger positiven Erfahrungen bei vorausgegangenen Arzt oder Zahnarztbesuchen oder vorausgegangenen Krankenhausaufenthalten wecken kann und damit das Entstehen eines notwendigen therapeutischen Arbeitsbündnisses erschwert wird.

Zusammenfassend ist die DGKJP der Auffassung, dass ein verpflichtendes Tragen von einheitlicher Krankenhauskleidung weder geboten, noch sinnvoll ist. Sowohl hygienische als auch fachliche Überlegungen führen zu der Einschätzung, dass der in den meisten Kliniken vollzogene Wandel hin zum Tragen von Privatkleidung zu befürworten ist und Ausdruck der kontinuierlichen Modernisierung des medizinischen Faches der Kinder- und Jugendpsychiatrie,- Psychosomatik und Psychotherapie ist.

 

Berlin, 01.10.2015

der DGKJP Vorstand

 

Download: Positionspapier zur Dienstkleidung in der KJP