FAQ

Woran erkenne ich, ob ich für mein Kind die richtige Abteilung oder Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie gefunden habe? 20 Punkte - Checkliste für Eltern [1]

1. Derjenige mit dem Sie zuerst Kontakt haben – egal ob Arzt, Psychologe, Sozialarbeiter, Sekretärin, Arzthelferin – nimmt Sie freundlich auf und hört Ihnen zu. Er oder sie (im Folgenden wird die männliche Variante gewählt) „weiß“ nicht sofort, was Sache ist oder was richtig oder falsch ist für Ihr Kind, sondern legt vielmehr Wert auf Ihre Sicht der Dinge.  Daneben legt er auch Wert auf die Sicht Ihres Kindes und nimmt diese genauso ernst.

2. Über die Diagnose und alle Schritte der Behandlung werden Sie aufgeklärt. Für die Aufklärung z. B. über eine ggf. notwendige Pharmakotherapie ist ausreichend Zeit eingeräumt, so dass Sie alle Fragen stellen können. Ihnen wird auch eine Bedenkzeit eingeräumt, bevor Sie in die Behandlung einwilligen (eine „informierte Einwilligung“). Auch Ihr Kind ist angemessen einbezogen und informiert.

3. Die Behandelnden sprechen in regelmäßigen Abständen mit Ihnen über den Behandlungsverlauf. Ihre eigenen Ideen sind auch in diesen weiteren Gesprächen in der Klinik willkommen. Über die Einzeltherapie Ihres Kindes wird allerdings die erforderliche Schweigepflicht gewahrt und Ihr Kind erfährt aus Sitzungen mit Ihnen als Eltern allein ebenfalls nur das, von dem Sie möchten, dass es mitgeteilt wird.

Sofern Ihr Kind stationär aufgenommen werden muss:

4. Die Kinder und Jugendlichen haben auf der Station genügend Bewegungsraum und genügend Beschäftigung. Auch für eigene Ideen stehen Raum und Zeit zur Verfügung, das heißt aber nicht, dass nie Langeweile aufkommt. Die Selbständigkeit Ihres Kindes wird angeregt. Das Essen schmeckt Ihrem Kind, es wird gemeinsam gegessen und auch manchmal gekocht. Es gibt ein Freizeitprogramm und die Kinder die länger da sind haben Ausgang, sofern Ärzte und Therapeuten das verantworten können und die Kinder alt genug sind.

5. Da an den Wochenenden häufig Kinder zur sogenannten „Belastungserprobung“ oder  „Realitätsüberprüfung“ zu Hause sind, ist natürlich auf der Station nicht so viel los wie sonst, aber es gibt auch an den Wochenenden genug Beschäftigungsmöglichkeiten und die Chance, dass einzelne Mitarbeiter sich gezielt mit Ihrem Kind und Ihnen zusammensetzen.

6. Es gibt Einzel- und Zweibettzimmer auf der Station und nur in Ausnahmefällen mehr Patienten in einem Zimmer. Der Privatbereich für eigene Sachen wird respektiert und es gibt eine Möglichkeit eigenes unterzubringen. Sofern etwas wegkommt gibt sich das Stationsteam Mühe es wiederzufinden oder den Verlust aufzuklären.

7. Sie sind auch darüber informiert worden, ob und in welchem Umfang auf der Station Zwangsmaßnahmen stattfinden können. Wenn bei Ihrem Kind eine Situation eintritt, in der Zwang angewendet werden muss, sind Sie sicher dass Sie umgehend informiert werden, auch des Nachts.

8. Die Mitarbeiter auf der Station haben Sie freundlich empfangen und stehen für Fragen zur Verfügung, auch dann wenn Ihr Kind gerade mal nicht mit Ihnen reden will. Die ggf. notwendige Begrenzung von Telefon- und Besuchskontakten wurde Ihnen ausreichend erklärt.

9. Ihr Kind hat wie jedes Kind eine Bezugsperson im Pflege- und Erziehungsdienst, die Ihr Kind gut kennt, für es da ist und für es einsteht. Die Bezugsperson ist auch Bezugsperson für Sie als Eltern. Wenn die Bezugsperson in Urlaub geht, gibt es eine Vertretungsperson die diese Arbeit genau so übernimmt. Es liegt kaum ein Kind im Bett, außer bei echter körperlicher Krankheit. Es gibt einen klaren Tagesablauf, der so ist wie zu Hause. Kinder und Jugendliche nehmen Pflichten für die Gemeinschaft wahr. Regeln werden eingehalten – und zwar von den Mitarbeitern und auch von den Patienten. Wenn Mitarbeiter sich mal im Ton vergriffen haben, was auch vorkommen kann, dann entschuldigen sie sich. Gewalt kommt auf der Station nicht in einer Form vor, dass Angst entsteht. Wenn Ihr Kind Ihnen von einer Isolierung oder Fixierung eines Mitpatienten berichtet, sind die Mitarbeiter ruhig und sachlich damit umgegangen. Man kann darüber sprechen, was die Kinder dabei bewegt.

10. Ihr Kind hat wie jeder Patient auch einen Bezugstherapeuten. Der Bezugstherapeut ist die erste Ansprechperson für Sie als Eltern. Wenn der Bezugstherapeut in Urlaub geht, gibt es eine Vertretungsperson, die diese Arbeit genau so übernimmt, was Ihnen auch mitgeteilt wird. Im besonderen Fall wird die Urlaubszeit für eigenständige therapeutische Aufgaben Ihres Kindes genutzt, jedoch hat das Kind immer einen therapeutischen Ansprechpartner.

11. Sofern Sie eine Wartezeit hatten vor einer stationären Aufnahme, hat jemand aus der Klinik Kontakt zu Ihnen gehalten und Sie konnten Ihre Fragen loswerden. Sie konnten vorher die Station besichtigen, sodass Sie und Ihr Kind sich vorstellen konnten, wohin es gehen wird.

12. Es gibt eine Klinikschule und Sie können auch mit den dortigen Lehrern sprechen. (Allerdings gibt es einige Bundesländer, die meinen, dass man Klinikschulen nicht braucht, dafür kann dann die Klinik nichts) Die Klinik veranstaltet in den Schulferien ein Freizeitprogramm, so dass auch Ihr Kind ein bisschen „Feriengefühl“ bekommt.

13. Die Klinik ermutigt Sie, die Behandlung Ihres Kindes auch in der Verwandtschaft und in der Schule mitzuteilen. Nicht nur, weil die Klinik von der eigenen Qualität überzeugt ist, sondern auch, weil die Behandlungsergebnisse besser werden wenn man dazu steht. Die Klinik hält sich an den Behandlungsplan. Der wird monatlich neu besprochen und Ihnen auch mitgeteilt zur „informierten Einwilligung“.

14. Sofern Sie mit etwas nicht einverstanden sind oder etwas nicht verstanden haben, fühlen Sie sich frei zu fragen. Kritik wird als Kooperation und als Engagement gewertet und deshalb geschätzt. Es gibt eine Beschwerdestelle in der Klinik und einen Patientenfürsprecher. Sofern Sie oder Ihr Kind sich beschweren möchten, wissen Sie über die Wege Bescheid, man hat sie darüber informiert oder es gibt einen entsprechenden Aushang. Der Oberarzt bzw. Chefarzt ist für Ihre kritischen Anliegen offen und gibt Ihnen einen Termin wenn Sie darum bitten.

15. Vor der Entlassung haben Sie mit den Behandelnden eine Planung erstellt wie es weitergehen kann und wo zukünftig weitere Hilfen herkommen können. Bei Kontakten mit anderen Therapeuten oder dem Jugendamt wurde nichts hinter Ihrem Rücken und nichts ohne Schweigepflichtsentbindung besprochen (auch wenn in Ausnahmefällen eine Mitteilung aufgrund des Kinderschutzgesetzes erfolgen muss, wenn ein Kind massiv gefährdet ist und die Eltern nicht zur Abhilfe beitragen wollen oder können, werden die Eltern darüber vorab informiert). Es wird jeweils gegenüber Jugendamt oder Schule Ihr Anliegen unterstützt.

16. Die Klinik steht zu ihrer Pflichtversorgung, d. h. jeder, der in einem definierten Einzugsgebiet notfallmäßig Hilfe braucht, bekommt diese auch, so dass Sie ganz sicher sein können, dass auch Sie im Problemfall Unterstützung erhalten.

17. Die Klinik hat eine Homepage im Internet und dort kann man einen „Qualitätsbericht“ nachlesen. Darin steht z. B., wie viele Fachkräfte in der Abteilung arbeiten und dass die Klinik evtl. eine Zertifizierung zur Qualitätssicherung erhalten hat – dann können Sie sicher sein, dass man sich dort übergreifende Gedanken um die Abläufe und die Ergebnisse der Arbeit macht. Sie wissen anhand dieser Informationen, dass die Klinik das Personal weiterbildet und sich um die ständige Verbesserung der Behandlung bemüht.

18. Die Klinik ist bei Ihrem Haus- oder Kinderarzt bekannt und Sie hören auch von regelmäßigen gemeinsamen fachlichen Treffen oder Tagungen.

19. Der Klinikaufenthalt ihres Kindes wird dokumentiert (Tests, Diagnose, Behandlung, besondere Ereignisse usw.). Sofern Sie es wünschen erhalten Sie gemäß des Patientenrechtegesetzes Akteneinsicht (hiervon ausgenommen sind jedoch die Einzeltherapien ihres Kindes wegen der damit verbundenen Schweigepflicht). Sie erhalten auf Wunsch oder routinemäßig eine Kopie des Entlassberichtes.

20. Für eine Kontinuität der Behandlung ist dadurch gesorgt, dass entweder einer der bekannten Therapeuten weiter zur Verfügung steht oder eine „therapeutische Übergabe“ an die Institutsambulanz oder einen Niedergelassenen erfolgt. Möglichst viele dieser Kriterien sollten zutreffen!

]1] „Eltern“ hier synonym gebraucht für die für das Kind / den Jugendlichen verantwortlichen Personen