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Pressemitteilung: Das Leben genommen – betroffen vom Suizid im Kindes- und Jugendalter

Welttag zur seelischen Gesundheit am 10.10.2019 zum Thema „Suizidprävention“

Suizide sind nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, aber die absoluten Zahlen haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Die World Federation for Mental Health verweist auf die unterschätze Bedeutung von suizidalem Verhalten unter Kinder und Jugendlichen.

Suizidversuche und vollendete Suizide berühren nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Familien und ihr soziales Umfeld einschneidend. Die Ursachen für Suizide von Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Medienberichte zum Thema können in Verbindung mit Hinweisen auf Hilfsangebote eine suizidpräventive Wirkung bei Kindern und Jugendlichen entfalten (sog. „Papageno“-Effekt), ihnen aber auch schaden (sog. „Werther-Effekt“). Daher ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema in der medialen Öffentlichkeit unerlässlich.
Dass dies nicht immer gegeben ist, zeigt die US-amerikanische Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (im englischsprachigen Original „13 Reasons Why“). Sie beschreibt detailliert die belastenden Umstände, denen die jugendliche Protagonistin ausgesetzt ist, bevor sie sich schließlich selbst das Leben nimmt. Aus diesem Grund hatte die DGKJP im Jahr 2017 zusammen mit der DGPPN die Serie problematisiert und Empfehlungen zum Umgang formuliert (http://www.dgkjp.de/stellungnahmen-positionspapiere/stellungnahmen-2017/453-gemeinsame-stellungnahme-tv-serie-tote-maedchen-luegen-nicht-2). Kürzlich erbrachte eine wissenschaftliche Studie den Beleg, dass infolge der Ausstrahlung der Serie sich mehr 10- bis 17-Jährige in den USA das Leben genommen haben. Erst dann hat Netflix auf die anhaltende Kritik reagiert und die Darstellung des Suizids gekürzt und entschärft.
Suizidales Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist auch für Menschen, die beruflich mit ihrer Versorgung betraut sind, eine stark fordernde Situation. Stress, Schuldgefühle und Hilflosigkeit sind typische Symptome bei therapeutisch, pflegerisch und pädagogisch tätigem Fachpersonal. Eine deutliche Mehrheit derer, die mit jungen Menschen mit psychischen Störungen arbeiten, hatte bereits mit Suizidversuchen von Patient*innen zu tun (94%) – dies zeigt eine aktuelle Umfrage der DGKJP zum Thema „Suizid bei Kindern und Jugendlichen“, an der 270 Mitglieder teilgenommen haben. Ein Viertel der Befragten (26%) berichtet dabei, mit mehr als 10 Suizidversuchen in den letzten 12 Monaten konfrontiert gewesen zu sein. Vollendete Suizide gehören ebenfalls zum Erfahrungsspektrum der Befragten (56%). Zur fachlichen Unterstützung der Personen, die mit psychisch erkrankten jungen Menschen arbeiten, hat die DGKJP in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften die Leitlinie „Suizidalität im Kindes- und Jugendalter“ erstellt.
Die DGKJP möchte am Welttag für seelische Gesundheit zum Thema „Suizidprävention“ zu suizidalem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen aufklären und für die Begleitumstände sensibilisieren.  

DGKJP e.V.
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