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Offener Brief von DGKJP und BAG KJPP an das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz

Berlin, den 12.12.16

Kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung in Sachsen

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Klepsch,

mit großer Sorge und Beunruhigung haben wir kinder- und jugendpsychiatrischen Fachverbände  sowohl aus den Medien als auch von besorgten Eltern und Kollegen erfahren, dass in drei kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken in Sachsen (Kliniken in Arnsdorf, Rodewisch, Mittweida/Chemnitz) mit jeweils großen Versorgungsgebieten die bereits seit längerem bestehenden personellen Probleme nach weiterer Zuspitzung nun auch zu einer Einschränkung des Versorgungsangebots für die Patienten führen.

Während deutschlandweit die Zahlen der Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie kontinuierlich steigen, hat sich das Problem in den sächsischen Kliniken in Arnsdorf, Rodewisch, Mittweida/Chemnitz nach unserer Kenntnis massiv zugespitzt.
Ähnliches ist uns aus der Klinik in Großschweidnitz bekannt.

Erlauben Sie uns, aus unserer fachspezifischen Erfahrung zwei bewährte Lösungsmöglichkeiten anzusprechen:

  • Aufgrund der seit Jahrzehnten bestehenden Schwierigkeiten ärztlichen Nachwuchs in unserem Fach vor allem in die Fläche zu bringen (siehe Facharztindex des deutschen Ärzteblattes), machen wir uns seit Jahren für eine Förderung von Ausbildungsstellen in Kliniken wie Praxen für junge Assistenzärztinnen und Assistenzärzte analog dem Modell für Allgemeinmediziner stark. Für die Weiterbildung in Praxen zeichnet sich mittlerweile bundesweit unter Beteiligung des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und –Psychotherapie eine Lösung ab. Für Kliniken obliegt es den Krankenhausträgern, aktive Angebote zu schaffen, die bundesweit konkurrenzfähig sind.
  • In anderen Bundesländern haben Ministerien die kinder- und jugendpsychiatrische Pflichtversorgung zur „Chefsache“ erklärt und zur Vernetzung zwischen den Kliniken für Weiterbildungsverbünde, Video-Konferenzen zur Weiterbildung und standortübergreifende Fachbereichsleitungen gesorgt.

Sowohl der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und –psychotherapie als auch die beiden Lehrstuhlinhaber für Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Universitätskliniken in Leipzig und Dresden, als auch Kollegen aus dem Bereich der niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater sind, soweit uns bekannt, nach verschiedensten Gesprächen in der Vergangenheit sicherlich weiterhin verfügbar.

Wir würden uns freuen, wenn es keine weiteren negativen Schlagzeilen über die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung im sächsischen Raum geben muss, die dem Ansehen unseres Fachgebiets schaden und das Vertrauen der Bevölkerung in eine sichere Versorgung mindern können. Wir sind zu fachlicher Unterstützung jederzeit bereit.

Mit freundlichen Grüßen

Für die DGKJP:

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Tobias Banaschewski
Präsident DGKJP

Für die BAG KJPP:

Dr. med. Martin Jung
Vorsitzender BAG KJPP

 

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